Zu dick? – Übergewicht bei Mensch und Tier


Über 50 % der Deutschen sind übergewichtig. Schätzungen zufolge sind auch rund 52 % unserer Hunde und Katzen zu dick. Lies hier nach, worin der Zusammenhang besteht.

Hunde und Katzen vor rosa Hintergrund

Zu dick? – Definition

Immer mehr Menschen haben Übergewicht. Der Anteil der übergewichtigen Menschen auf der Welt hat sich in den letzten 40 Jahren verdreifacht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit etwa 25 % aller Menschen übergewichtig oder gar fettleibig sind. Hier eingerechnet sind auch Kinder. Beschränkt man sich nur auf Erwachsene sind es fast 40 %. In Deutschland ist die Situation allerdings noch krasser. Hierzulande sind etwa 67 % der erwachsenen Männer und mehr als 50 % der Frauen bereits übergewichtig. Aber wie misst man, ob man Übergewicht hat?

BMI

In der Regel wird Übergewicht über den BMI bestimmt. Der Body-Mass-Index beschreibt das Verhältnis von Gewicht zu Körpergröße. Liegt dieser Wert über 25 (kg/m²), spricht man von Übergewicht. Ab einem BMI von 30 und mehr gilt eine Person als fettleibig (adipös). Für den Einzelnen muss das aber noch nichts bedeuten. Menschen mit vielen Muskeln kommen mit ihrer Masse locker darüber – und sind dabei alles andere als ungesund. Wichtig für die gesundheitliche Einordnung von Übergewicht über den BMI ist der Fettanteil am Körper. Gerade das sogenannte viszerale Fett am Bauch hängt mit Krankheiten zusammen.

Wiegen

Das Übergewicht bei einem Haustier festzustellen ist manchmal gar nicht so einfach. Schuld daran ist oftmals das Fell des Vierbeiners. Aber auch die generelle Unwissenheit der Halter, ab wann man bei einem Tier von Übergewicht spricht. Wiegen ist deshalb wichtig, um Veränderungen und Übergewicht rechtzeitig zu erkennen. Um eine Katze oder einen kleinen oder mittelgroßen Hund zu Hause zu wiegen, kann sich der Halter erst selbst auf die Personenwaage stellen. Danach nimmt man den Vierbeiner auf den Arm, und wiegt sich und sein Haustier. Die Differenz der 2 Zahlen zeigt das Gewicht der Fellnase. In vielen Tierarztpraxen findet man zudem gute Waagen. Dies ist besonders für große und schwere Hunde die beste Möglichkeit zur Gewichtsfeststellung.

Ein Abgleich des Gewichts mit den in den Rassestandards festgeschriebenen Gewichtsangaben für einzelne Rassen ist nötig. Es gibt auch in vielen Tierarztpraxen Tabellen, die das erwünschte Gewicht anzeigen. Man sollte sich aber auch darüber im klaren sein, dass unsere Fellnasen manchmal durchaus im unteren Bereich des Gewichtslimits stehen können und dennoch zu fett sind. Alle Vierbeiner sind Individuen, und ein sicherer Weg Fettleibigkeit festzustellen, ist die Prüfung des Tierkörpers durch den Tierarzt. Hunde setzen vor allem am Brustkorb, an der Lendenwirbelsäule und am Bauch Fett an.

Hund liegt auf Bett
Manche Hunde neigen zu Übergewicht

Leider erkennt man als Besitzer oft erst spät, dass das eigene Haustier zu dick ist. Der Grund hierfür ist meist, dass sich Fettleibigkeit nur langsam entwickelt, kleine Änderungen von Tag zu Tag sind die Folge.

Zu dick? – Folgen

Für den Mensch

Fast alle geläufigen Zivilisationskrankheiten heutzutage hängen wohl mit Übergewicht zusammen. Sie schränken ein, führen zu einem frühen Tod und ziehen meist noch andere Krankheitsbilder nach sich. Zu den häufigen Begleit- oder Folgekrankheiten von Übergewicht gehören unter anderem:

  • Herz-Kreislauf-Beschwerden (z.B. Herzinfarkt)
  • Stoffwechselkrankheiten (z.B. Diabetes)
  • Psychische Störungen (Depression, etwa durch Fat-Shaming)
  • Gelenk- und Muskelprobleme (z.B. Gelenkverschleiß)
  • Organschäden (z.B. Fettleber)

Fürs Tier

Immer mehr rückt die Fettleibigkeit von Hunden und Katzen auch in den Fokus der Wissenschaft. Laut einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität in München (LMU) haben 52 % der Hunde und Katzen zu viel Speck auf den Rippen. Und das kann fatale Folgen haben. Um bis zu 2 Jahren können überflüssige Pfunde die Lebenserwartung von Haustieren reduzieren. Diabetes, Arthritis und Herzerkrankungen sind häufige Begleiterscheinungen. Weitere sind:

  • Orthopädische Probleme
  • Bewegungsträgheit
  • Durch Blutstau ausgelöstes Herzversagen
  • Atemschwierigkeiten
  • Eingeschränkte Leberfunktionen
  • Schlechte Verdauung (beispielsweise Verstopfung oder Blähungen)
  • Vergrößertes Operations- und Narkoserisiko
  • Verringerte Widerstandskraft gegen Krankheiten
  • Hitzeanfälligkeit
  • Hauterkrankungen
  • Vorzeitiges oder beschleunigtes Altern
  • Verminderte Lebenserwartung

Zu dick? – Soziales Umfeld

Dicke Eltern – dicke Kinder? Das hat man schon häufiger gehört und macht auch Sinn. Denn aus Zwillingsstudien ist bekannt, dass die Veranlagung für Übergewicht einen starken Einfluss auf das Körpergewicht haben kann. Doch nicht nur unsere genetische Veranlagung spielt eine Rolle, auch wie wir geprägt wurden und andere prägen spiegelt sich oftmals in unserem Gewicht wider. Aber nicht nur Eltern, Geschwister und andere Bezugspersonen haben maßgeblich Einfluss auf unsere Ernährungsweise, auch unsere Haustiere prägen uns. Und noch viel wichtiger: Wir prägen sie. Wissenschaftler der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest berichten, dass übergewichtige Hunde ein ähnliches Verhalten an den Tag legen wie auch manche übergewichtige Menschen. Sie bevorzugen etwa energiereiche Nahrung und versuchen, ihre Kalorienaufnahme zu maximieren. Die Forscher haben dieses Verhalten unabhängig von der Hunderasse festgestellt.

Ernährung

Dass wir uns unsere Gene mit unseren Vierbeiner teilen, ist zwar nicht der Fall, aber ungünstige Essgewohnheiten und falsches Essverhalten kann sich sehr wohl übertragen. Auch wenn Mensch und Haustier nicht das Gleiche zu sich nehmen, kann sich doch die Einstellung zu Ernährung, Bewegung und Gesundheit in gewisser Weise übertragen. Erziehung und Esstradition beeinflussen die Entstehung von Übergewicht bei Mensch und Tier in besonderem Maße.

Eine Reihe von Erziehungsmethoden tragen dazu bei, dass das natürliche Appetit- und Sättigungsverhalten gestört wird. Typische Beispiele sind die dauernde Verfügbarkeit von Essen oder generell das Essen als Lob oder Strafe einzusetzen. So werden Essensmenge und Esszeitpunkt oft von außen vorgegeben und nicht mehr durch interne natürliche Mechanismen des Körpers reguliert. Das liegt häufig daran, dass nicht mehr Hunger das Signal zum Essen auslöst, sondern oftmals Langeweile.

Langeweile verleitet auch unsere Haustiere zum Essen

Bewegung

Das führt zum nächsten Punkt: der ausreichenden Auslastung des Haustiers. Bei Hunden führen große Gassi-Runden, eventuell sogar am Fahrrad oder bei anderen Sporteinheiten zusammen mit ihrem Herrchen oder Frauchen zu genügend Bewegung. Für weitere Inspirationen, was es für dich und deine Fellnase zu tun gibt, haben wir auf unserer Seite ein paar Ideen zusammengestellt. Aber auch Katzen, besonders in Wohnungshaltung, brauchen ausreichend Beschäftigung. Genügend Spielmöglichkeiten und Kratzstellen. Toll sind auch die interaktiven Spielzeuge, wenn deine Katze allein zuhause ist. Denn sonst droht Langeweile und der Fressnapf wird noch verführerischer.

Zu dick? – Und jetzt?

Fettleibigkeit bei Menschen ist dabei keine Frage von Willensschwäche, denn nicht alle Menschen können etwas für ihr Übergewicht. So vielfältig wie die Ursachen und Faktoren für Übergewicht sind, so individuell müssen auch die Ratschläge und Lösungen sein. Pauschaltipps, wie weniger zu Essen oder mehr Bewegung, sind nicht angebracht. Wichtig für Betroffene ist, sich so früh wie möglich professionell beraten zu lassen. So können gemeinsam Pläne erarbeitet werden, die durchsetzbar in den Alltag integriert werden können. Hierbei wird kombiniert:

  • Ernährung
  • Bewegung
  • Verhalten

Hilft das alles nicht, sind chirurgische Maßnahmen, wie Magenverkleinerung oder Bypässe, wirksam. Bei deiner Fellnase solltest du aber auf jeden Fall genauer hinschauen, denn unsere Haustiere sind in ihrer Ernährung und Bewegung fast vollkommen von uns abhängig. Bei Hunden und Katzen braucht Übergewicht eigentlich nie aufzutreten.

Was ist deine Meinung zu Übergewicht bei Mensch und Haustier? Erzähle uns gerne mehr davon hier in einem Kommentar.

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