Katzenbiss – Unterschätzen wir die Wunden?


Die meisten Katzenhalter wurden wohl schon mal, ob unabsichtlich oder nicht, von ihrer Samtpfote gekratzt und gebissen. Ein Katzenbiss kann schnell mal beim Spielen und Jagen passieren. Für viele ist das Ganze schmerzhaft aber nicht weiter der Rede wert. Wenn sich jedoch die Wunde infiziert, kann das fatale Folgen haben.

Weiße Kitten und ihre Mutter raufen

Katzenbiss – Wenn die Katze zubeißt

Wenn dein Stubentiger dich oder andere beißt, heißt das nicht unbedingt, dass er oder sie aggressiv ist. Katzen können auch aus Angst beißen, wenn sie sich beispielsweise in die Ecke gedrängt fühlen. Sogenannte Liebesbisse, die die Samtpfoten noch von ihrer Mutter kennen, kommen auch häufiger vor und sind meist alles andere als unerwünscht und eine Art Liebesbeweis der Katze. Die Gründe dafür, dass deine Katze beißt, sind also divers, für genauere Infos schaue einfach in unseren Beitrag “Katze beißt und kratzt – Das steckt dahinter“. Dass ein Katzenbiss keine Seltenheit ist, liegt auch daran, dass viele Menschen das Verhalten der Samtpfoten nicht genau kennen und Warnsignale häufig übersehen. Wer die Katzensprache richtig zu deuten weiß, kann den einen oder anderen Katzenbiss und -kratzter vermeiden. Auch deine Mieze selber kann, als Freigänger gehalten, mal mit Kratz- und Bisswunden einer anderen Katze möglicherweise von einem Revierkampf nach Hause kommen. Wenn sich die Wunde von dem Katzenbiss jedoch entzündet, ist schnelles Handeln angesagt. Unerkannt kann eine Bisswunde zu starken Entzündungen und einer gefährlichen bakteriellen Blutvergiftung führen. Neben dem Katzenhalter und der Mieze selbst können auch andere Haustiere wie Hunde, Kaninchen oder Hühner von Katzenbissen betroffen sein.

Katzenbiss – Besonders gefährlich?

Bisswunden hinterlassen können viele Tiere. Die Zähne von Katzen sind im Vergleich zu den Zähnen von Hunden jedoch sehr lang, schmal und spitz. Die Eckzähne sind meist leicht gebogen. Kommt es zu einem Biss, so stoßen die Zähne der Mieze tief in das Gewebe ein. Das kann zu starken Verletzungen an Sehnen, Muskeln, Gefäßen oder Nerven führen.

Auch können Katzenbisse sehr häufig Wundinfektionen hervorrufen. Da die Zähne der Katze eine Vielzahl an Keimen hinterlassen können. Die Bakterien in der Wunde können sich ungestört aufgrund der Wärme und Feuchte vermehren. Zu diesen Bakterien zählen vor allem Umweltkeime wie Essensreste, Dreck und Haare, welche sich normalerweise im Maul der Katze befinden. Dringen diese in die Blutbahn des Opfers ein, können sie in den gesamten Körper gelangen und eine lebensgefährliche Blutvergiftung hervorrufen. Auch gefährliche Infektionskrankheiten wie Tetanus oder Tollwut können durch Katzenbisse hervorgerufen werden. Da Bissverletzungen in den ersten Tagen oftmals übersehen oder unterschätzt werden, ist das Infektionsrisiko von Katzenbissen besonders groß. Laut Statistik entzündet sich jeder 2. Katzenbiss.

Katzenbiss – Erste Hilfe

Wenn du, ein Bekannter oder deine Katze selbst eine Bisswunde von einer Katze haben, solltest du damit immer am besten zum Arzt gehen. Nach dem akuten Vorfall gilt es jedoch zuvor erstmal darum, Erste Hilfe zu leisten und das möglichst zügig. Gehe am besten Schritt für Schritt vor:

  • Reinigen: Wenn die Bissspuren nicht stark bluten, säubere die Wunde vorsichtig mit Wasser und etwas Seife.
  • Desinfizieren: Gib vorsichtig ein Hautdesinfektionsmittel auf die Wunde.
  • Steril abdecken: Du solltest den Katzenbiss keimfrei verbinden. Das kannst du z.B. mit einer sterilen Mullbinde oder einem Pflaster machen, je nach Umfang und Schwere der Bisswunde.
  • Ruhig stellen: Wenn man sich körperlich belastet, können sich Erreger bei tiefen Bissen stärker vermehren. Die verletzte Körperstelle sollte also möglichst wenig bewegt werden. Wenn der Katzenbiss an der Hand ist, kannst du etwa mittels eines Dreieckstuchs eine Armschlinge binden.
  • Zum Arzt: Da Katzenbisse ein hohes Infektionsrisiko bieten, solltest du mit einer solchen Verletzung immer zum Arzt gehen und den Katzenbiss ärztlich versorgen lassen.

Sollte die Bisswunde stark bluten, muss der Blutfluss gestoppt werden. Versuche das zunächst, indem du eine keimfreie Kompresse auf die Wunde drückst. Gegebenenfalls muss ein Druckverband angelegt werden:

  • Decke die Wunde mit mehreren gestapelten Kompressen ab.
  • Umwickle die Verletzung einmal mit einer Mullbinde.
  • Anschließend kannst du eine ungeöffnete Binde in ihrer Verpackung auf die Stelle legen und diese stramm mit der restlichen Mullbinde umwickeln.
  • Achten hierbei darauf, dass der Verband nicht zu eng sitzt. Die Blutzufuhr zur betroffenen Körperregion muss weiterhin bestehen bleiben.
  • Wenn du die Blutung nicht stoppen kannst, rufe den Rettungsdienst.

Katzenbiss – Symptome

Katzenbisse bei einem Tier werden häufig wegen des Fell- oder Federkleides der Beißopfer nicht direkt erkannt. Oder sie werden erkannt, doch ihre fatalen Auswirkungen unterschätzt. Spätestens, wenn die verletzen Tiere oder Menschen auch noch durch andere begleitende Symptome auffallen, ist der Gang zum Hausarzt oder Tierarzt aber unvermeidlich. Die Symptome eines Katzenbisses sind bei Mensch und Tier ähnlich:

  • Bewegungsunlust, Humpeln oder Ruhestellen einzelner Gliedmaßen: Schmerzen können bei Mensch und Tier zu vermehrter Schonung der betroffenen Körperregion führen. Manche Tiere äußern zudem laute Schmerzäußerungen.
  • Blutspuren: Wo ein Katzenbiss ist, da sind andere Verletzungen oft nicht weit. Vielleicht fallen dir oberflächliche Blutspuren am Feder- oder Fellkleid deines Haustiers auf.
  • Schwellung, Rötung und Eiterbildung: Die Symptome weisen auf eine Entzündung hin.
  • Lähmungserscheinungen: Verletzungen von Nerven können insbesondere zu motorischen und sensiblen Folgen wie z.B. verstärkter Über- oder Unempfindlichkeit führen.
  • Vermindertes Allgemeinbefinden, Fieber und ein abnehmendes Fressverhalten: Eine bakterielle Blutvergiftung (Sepsis) kann ein Grund für eine Verhaltensänderung sein.
  • Anhaltende Krampfanfälle und Muskelanspannungen: Anzeichen für Tetanus (Wundstarrkrampf) können auftreten.
  • Schock: Manche Menschen reagieren auf einen Katzenbiss mit einem Schock. Erkennbar ist das daran, dass ihre Haut blass wird, sie frösteln und ihr Herz rast. Sie fühlen sich zudem meist schwindelig und fallen eventuell in Ohnmacht. Falls möglich, sollte man die Beine dieser Person hochlegen.
  • Tod: Auch die kleinsten Katzenbisse können unbehandelt zum Versterben des Opfers führen.

Katzenbiss – Was tut der Arzt?

Für die Behandlung eines Katzenbisses sollte immer ein Arzt aufgesucht werden, um Spätfolgen wie eine bakterielle Blutvergiftung zu vermeiden. Das gilt sowohl für Menschen mit Katzenbisswunden, die sollten zum Hausarzt, und auch für die tierischen Opfer eines Katzenbissvorfalls. Folgende therapeutische Maßnahmen stehen bei beiden Varianten im Fokus:

  • Wundversorgung: Säubern und desifizieren der Bissspur sowie ggf. Einreiben mit entzündungslindernden Salben. Das Vernähen der Wunde ist nicht ratsam, da die Bakterien und das Wundsekret nicht mehr abfließen können.
  • Antibiotika: Die Gabe von Antibiotika nach erfolgtem Resistenztest (in Form von Salben und Tabletten) sowie Schmerzmedikamenten ist bei einer bakteriellen Verletzung unabdingbar.
  • Operation: Bei schwerwiegenden Verletzungen – bei Menschen besonders der Hände und Finger – können operative Maßnahmen notwendig sein.
  • Impfpass: Wenn du, Bekannte oder dein Haustier von einer Katze gebissen wurden ist ein Blick in den Impfausweis oder die Bestimmung der vorliegenden Keimflora für die weitere Planung der Behandlung sehr wichtig. Im Falle eines fehlenden Tetanusschutzes sollte das Immunsystem des Opfers z.B. schnellstmöglich mit einem Tatanus-Immunglobulin unterstützt werden.

Katzenbiss – Prävention

Ein ausreichender Impfschutz gegen Tetanus und Tollwut ist die wichtigste Prävention für eine bessere Prognose eines Katzenbisses. Obwohl in Deutschland heutzutage Tollwutformen nur noch selten auftreten, können z.B. illegal importierte Tiere das lebensgefährliche Virus durch Bisse übertragen. Tetanus kommt wegen der hohen Immunisierungsrate in Deutschland heutzutage ebenfalls eher selten vor. Trotzdem ist eine Infektion mit Tetanus durch einen Katzenbiss möglich. Ebenfalls empfiehlt es sich im Umgang mit Katzen und anderen Tieren bewusster und sorgsam umzugehen. Fremde Miezen reagieren womöglich anders als der heimische Stubentiger. Eine kurze Nachfrage beim Halter vor dem Streicheln ist auch bei Katzen immer ratsam, um Bisse und Kratzer von vornherein zu vermeiden.

Wurdest du oder deine Samtpfote schon mal von einer Katze gebissen? Erzähle uns gerne hier davon in einem Kommentar.

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