Kastration Hund – Alles was du wissen musst


Als Hundebesitzer musst du irgendwann entscheiden, ob dein Hund kastriert werden soll oder nicht. Der Zeitpunkt der Kastration unterscheidet sich bei Weibchen und Männchen. Die Kastration bringt sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Hier erfährst du alles über die Kastration deines Hundes.

Brauner Hund mit Halskrause

Kastration Hund: Allgemeines

Die Kastration ist ein operativer Eingriff. Bei der Kastration entfernt der Tierarzt dem Hund die Keimdrüsen. Bei dem Rüden sind dies die Hoden und bei der Hündin die Eierstöcke, Eileiter, Gebärmutter und der Muttermund. Dadurch verändert sich der Hormonhaushalt der Hündin, und sie wird nicht mehr läufig. Bei dem Rüden entfällt durch den Eingriff auch der größte Teil der Geschlechtshormone.

Die Kastration ist von der Sterilisation zu unterscheiden. Bei der Sterilisation der Hündin werden die Eileiter unterbrochen oder durchtrennt. Der Hormonhaushalt verändert sich nicht und die Hündin ist weiterhin läufig. Bei der Sterilisation des Rüden werden die Samenleiter unterbrochen oder durchtrennt. Der Hormonhaushalt ist davon nicht betroffen.

Kastration Hund: Wie lange schonen?

Theoretisch kannst du deinen Hund jederzeit kastrieren lassen, solange dein Tierarzt zustimmt. Du solltest jedoch bedenken, dass das Kastrieren die Entwicklung deines Vierbeiners einschränkt, da Sexualhormone eine Auswirkung auf den Knochenaufbau haben. Deshalb solltest du deinen Vierbeiner, erst nach der abgeschlossenen Pubertät kastrieren. Die Pubertät ist ein Teil der Adoleszenz. Dies bezeichnet die Entwicklung deines Welpen zum Junghund, auch Junghundphase genannt. Die Pubertät ist nur ein kleiner Teil dieser Phase. Während die Pubertät mit der Geschlechtsreife abgeschlossen ist, geht die Adoleszenz noch weiter.

Bei einer Hündin ist die Pubertät durch die erste Läufigkeit erkennbar. Erst dann sind ihr Körper und ihr Geist ausreichend entwickelt. Wann deine Hündin läufig wird, hängt von der Rasse ab. Normalerweise ist dies mit bereits 6 Monaten oder erst mit einem Jahr der Fall. Deine Hündin solltest du daher nicht vor ihrer ersten Läufigkeit kastrieren, da sonst unerwünschte Fellveränderungen und lebenslang kindliches Verhalten vorkommen können.

Dies musst du ebenfalls bei deinem Rüden beachten. Wenn er zu früh kastriert wird, kann er sich geistlich und körperlich nicht mehr voll entwickeln. Außerdem führt dies häufig zu späteren Aggressionsproblemen mit deinem Hund. Deshalb solltest du mit dem Kastrieren bei deinem Rüden bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres abwarten.

Kastration Hund: Vor und Nachteile

Als Hundebesitzer stehst du irgendwann vor der Frage, ob du deinen Hund kastrieren solltest, oder nicht. Eine übertragbare Antwort gibt es dazu nicht. Es gibt sowohl Vorteile als auch Nachteile der Kastration. Die Vorteile können sich vom Rüden zur Hündin leicht unterscheiden.

Vorteile der Kastration bei Rüden

  • Sichere und dauerhafte Empfängnisverhütung.
  • Kastrierte Rüden haben deutlich weniger Interesse am anderen Geschlecht.
  • Das Risiko für Erkrankungen an der Prostata wird gesenkt.
  • Die Kastration dient der Vorbeugung von Hodenkrebs.
  • Ausbleiben der Vorhautentzündung.
  • Begegnungen mit läufigen Weibchen verlaufen entspannter.
  • Der Vierbeiner wird ruhiger und das übermäßige Markieren lässt nach.

Vorteile der Kastration bei Hündinnen

  • Sichere und dauerhafte Empfängnisverhütung.
  • Kastrierte Hündinnen werden nicht mehr läufig: Blutungen und Verhaltensänderungen bleiben aus.
  • Die Kastration kann einer Gebärmuttervereiterung vorbeugen.
  • Eine entsprechend früh durchgeführte OP senkt das Risiko an Brustkrebs zu leiden.
  • Das Kastrieren trägt bei Hündinnen zur Senkung des Risikos für Tumore an der Milchleiste bei.

Nachteile der Kastration bei Rüden und Hündinnen

  • Allgemeines Operationsrisiko durch den Eingriff.
  • Eingriff in den natürlichen Hormonhaushalt des Tieres mit weitreichenden Folgen für Körper und Psyche: Besonders problematisch bei Frühkastrationen.
  • Kindliches Verhalten, falls der Hund zu früh kastriert wurde.
  • Übergewicht und Fettleibigkeit.
  • Höheres Risiko von Harninkontinenz: Besonders bei größeren Hündinnen.
  • Veränderung des Fells: Das Fell wird struppig und stumpf. Kann zur aufwändigen Fellpflege führen.
  • Häufigere Ohrenentzündungen.
  • Erhöhte Aggressivität gegenüber Geschlechtsgenossen, insbesondere unter Hündinnen. 
  • Höheres Risiko für Knochenkrebs.

Kastration Hund: Kosten

Wenn du deinen Hund kastrieren möchtest, solltest du bei verschiedenen Tierärzten um ein Angebot bitten. Was ein Tierarzt für eine Kastration abrechnen darf, steht in der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Da der operative Eingriff bei einer Hündin aufwändiger ist als bei einem Rüden, sind die Kosten für die Kastration einer Hündin höher. Die Kosten für die reine Arbeitsleistung des Tierarztes sind:

Kosten Rüden

  • 1-facher Gebührensatz: 51,31 Euro
  • 2-facher Gebührensatz: 102,62 Euro
  • 3-facher Gebührensatz: 153,93 Euro

Kosten Hündinnen

  • 1-facher Gebührensatz: 160,34 Euro
  • 2-facher Gebührensatz: 320,68 Euro
  • 3-facher Gebührensatz: 481,02 Euro

Ob der 1-fache, 2-fache oder 3-fache Gebührensatz erhoben wird, hängt davon ab, wie aufwändig der Eingriff ist. Außerdem kann der Tierarzt, für Wochenend-, Feiertags- und Nachtarbeit, einen erhöhten Satz verlangen. Zu diesem Preis fallen noch weitere Kosten an für:

  • Vor- und Nachuntersuchung.
  • Narkosemittel.
  • Medikamente.
  • Verbandsmaterialien.

Je nach Tierarztpraxis kostet eine Kastration, inklusive aller Untersuchungen, somit zwischen 200 und 400 Euro.

Kastration Hund: Kein Mittel gegen Verhaltensprobleme bei Hunden

Verhaltensprobleme sollten nie der Grund für die Kastration sein. Eine Kastration deines Hundes hat keine positiven Auswirkungen bei Ungehorsam, fehlender Leinenführigkeit, Dominanz und Aggression (falls nicht durch den Sexualtrieb bedingt) und rassebedingtem Territorial- und Schutzverhalten. 

Nur die wenigsten Auslöser für Aggressionen haben mit dem Sexualtrieb zu tun. Ein häufiger Grund für Aggressionen beim Hund ist Angst. Diese Angst kann bei einer Kastration verstärkt werden, vor allem wenn sie zu früh erfolgt. Die Angst vor Kontrollverlust oder Situationen wirken sich negativ auf den Hund aus. Es wird das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet. Die Sexualhormone hemmen die Ausschüttung von Cortisol und sorgen damit für ein gesteigertes Selbstbewusstsein deines Hundes. 

Eine Kastration des Hundes hilft nur bei Verhaltensproblemen, wenn diese durch die Sexualhormone ausgelöst werden. Ist das Verhalten jedoch auf eine mangelnde und fehlerhafte Erziehung oder eine falsche Hundehaltung zurückzuführen, wird auch eine Kastration dies nicht verhindern können. Wenn du Probleme mit deinem Hund hast, solltest du zunächst herausfinden, woher diese Verhaltensprobleme kommen. Ein Hundetrainer kann dir bei Verhaltensproblemen helfen.

Kastration Hund: Ablauf der Kastration

Deinen Hund zu kastrieren ist für den Tierarzt ein Routineeingriff. Im Vorfeld muss zunächst einmal geprüft werden, ob dein Hund operationstauglich ist. Hierbei werden unter anderem mögliche Komplikationen durch Erkrankungen ausgeschlossen. Nur wenn dein Hund gesund ist, kann er operiert werden. Du solltest beachten, dass dein Hund 12 Stunden vor dem Kastrieren nichts mehr fressen darf. Außerdem sollte dein Hund am OP-Tag vorher nichts trinken. Der Eingriff erfolgt dann, bei beiden Geschlechtern, unter Vollnarkose. Die Dosierung wird hier individuell angepasst und hängt von der Größe und zu erwartenden Dauer der Operation ab.

Kastration bei Rüden

Bei Rüden läuft die Kastration wie folgt ab:

  1. Der Intimbereich deines Hundes wird rasiert und desinfiziert.
  2. Nun folgt ein Schnitt am Hodensack, sodass der Samenstrang abgebunden sowie die Hoden herausgenommen werden können.
  3. Der Samenstrang wird wieder freigegeben.
  4. Der Schnitt wird sorgfältig vernäht.
  5. Die Narkose wird beendet.

Die Operation dauert ungefähr 20 bis 30 Minuten bei einem Rüden. Die Wirkung der Narkose lässt nach 1 bis 2 Stunden nach. Die Fäden können etwa 10 Tage nach der Kastration entfernt werden.

Kastration bei Hündinnen

Bei Hündinnen läuft die Kastration wie folgt ab:

  1. Die Schnittfläche wird rasiert und desinfiziert.
  2. Die Bauchwand wird mit einem Schnitt durch Haut, Unterhaut und Muskulatur geöffnet.
  3. Der Tierarzt bindet Teile der Uterushörner, Venen und Arterien ab und entfernt die Eierstöcke.
  4. Falls notwendig, wird auch die Gebärmutter entfernt. 
  5. Die Bauchdecke wird in mehreren Schichten vernäht.
  6. Die Narkose wird beendet.

Bei einer Hündin kann die Operation durchaus eine Stunde dauern. Die Wirkung der Narkose lässt nach 1 bis 2 Stunden nach. Die Fäden können ebenfalls etwa 10 Tage nach der Kastration entfernt werden. Danach hat dein Hund alles geschafft.

Was muss ich nach der OP beachten?

Du solltest auf lange Spaziergänge mit deinem Liebling verzichten, bis die inneren und äußeren Wunden vollständig verheilt sind. Lass deinen Hund nicht springen und halte ihn lieber an der kurzen Leine, damit sich die Wunde nicht dehnt. Nach Möglichkeit sollte dein Hund in dieser Zeit auch keine Treppen laufen. Des Weiteren solltest du die Wunde täglich kontrollieren, damit sie sich nicht entzündet. Zudem sollte ein Rüde für 2 Wochen eine Halskrause tragen, damit er seine Wunde nicht lecken kann. Für eine Hündin eignet sich ein spezielles Hundeshirt.

An was muss ich nach der Kastration denken?

Die Kastration kann eine Veränderung des Verhaltens und der Persönlichkeit bewirken und hat einen Einfluss auf körperliche und gesundheitliche Merkmale. Daher solltest du einige Dinge beachten. Damit dein Hund nicht übergewichtig wird, musst du seine Ernährung umstellen. Du solltest den Energie- und das Fettgehalt des Futters reduzieren. Außerdem solltest du den Anteil an Pflanzenfasern in der Nahrung erhöhen, um ein besseres Sättigungsgefühl zu erreichen. Eine ausgewogenen Ernährung ist sowohl für den kastrierten als auch für den nicht kastrierten Hund wichtig.

Zudem sollte dein Hund sich weiterhin, entsprechend seinem Alter, ausreichend viel bewegen. Auch das Training darf nicht fehlen. Die Kastration führt zu einer eingeschränkten Hirnfunktion und macht den Hund dadurch anfälliger für Stress. Daher sind Beschäftigungen, die selbst verschaffte Erfolgserlebnisse ermöglichen, wichtig.

Kastration Hund: Chemische Kastration bei Rüden

Die chemische Kastration kann als Alternative zur operativen Kastration verwendet werden. Es handelt sich hierbei um einen sogenannten Hormonchip, der die Produktion der Hormone aus den Geschlechtsorganen für 6 bzw. 12 Monate unterdrückt. Hundebesitzer nutzen den Hormonchip oft, wenn sie herausfinden möchten, ob das unerwünschte Verhalten des Hundes, hormonell bedingt ist. Andere nutzen ihn aber auch, um die operative Kastration zu vermeiden.

Der Hormonchip ist ein Implantat, das mit einer etwas dickeren Kanüle unter die Haut im Nacken des Rüden eingesetzt wird. Für das Einsetzen ist keine Narkose notwendig. Es geschieht sehr schnell und ist kaum schmerzhaft für deinen Hund. Der Chip enthält den Wirkstoff Deslorelin. Er wird 6 bzw. 12 Monate kontinuierlich in niedriger Dosis in den Körper deines Hundes abgegeben. Es kommt zu einer vorübergehenden Unfruchtbarkeit. Der Hund verhält sich so, als wäre er operativ kastriert. Die volle Wirkung des Hormonchips tritt nach 4-6 Wochen ein. Der 6-Monats-Chip kostet ca. 100 Euro und der 12-Monats-Chip ca. 175 Euro.

Vorteile der chemischen Kastration

  • Der Hormonchip kann als Test vor einer operativen Kastration, genutzt werden: Die Wirkung hält zwischen 6 und 12 Monaten an. 
  • Es ist keine Vollnarkose oder Operation notwendig: Damit verbundene Komplikationen sind ausgeschlossen.
  • Dein Hund wird ohne operativen Eingriff deutlich entspannter und ruhiger: Deutlich verringertes unerwünschtes Sexualverhalten.

Nachteile der chemischen Kastration

  • Bei Hunden, die unter 10 Kilo wiegen, wirkt der Hormonchip häufig länger als erwünscht.
  • Dein Hund könnte dauerhaft zeugungsunfähig bleiben.
  • Wenn dein Vierbeiner unter Hodenkrebs leidet, ist die chemische Kastration nicht empfehlenswert. 
  • Nebenwirkungen, wie z.B. Fellveränderungen, Verkleinerung der Hoden und verstärktes Verlangen nach Futter.
  • Der Hormonchip ist keine Dauerlösung: Das Implantat sorgt für eine permanente hormonelle Veränderung.

Kastration Hund: Fazit

Du solltest es nicht als selbstverständlichen sehen deinen Hund zu kastrieren. Die Kastration deines Hundes ist kein Mittel, um Probleme auf einmal zu lösen. Laut dem Tierschutzgesetz ist die Kastration von Hunden in Deutschland grundsätzlich verboten: 

“Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres. Das Verbot gilt nicht, wenn … der Eingriff im Einzelfall … nach tierärztlichen Indikatioren geboten ist.” (§ 6 Abs. 1 S.2 Nr.1 a) TierSchG).

Dein Hund darf also nur kastriert werden, wenn dein Tierarzt den medizinischen Gründen zustimmt oder es zur Verhinderung der unkontrollierten Fortpflanzung dient. Du solltest die Vor- und Nachteile gut abwägen. Denk darüber nach, ob die Kastration die beste Lösung für das Problem ist. Als Alternative zur operativen Kastration gibt es die chemische Kastration und die Sterilisation. Du solltest diese Entscheidung immer zum Vorteil deines Hundes und nicht zu deinem Vorteil treffen. Ziel ist es, eine Lösung zu finden, die für deinen Liebling am besten ist.

Hast du deinen Hund kastriert oder dich dagegen entschieden? Erzähle uns gerne hier davon in einem Kommentar.

Die Infografik zeigt Antworten von deutschen Hundehaltern zu Gesundheitsthemen. 44 % der Tierbesitzer haben mehr als 12 Jahre einen Hund. Meistens lebt ein Vierbeiner im Haushalt. Auch haben 32 % neben einem Hund auch eine oder mehrere Katzen. Wenn sich Hundehalter über Gesundheitsthemen informieren, wird am häufigsten der Tierarzt konsultiert. Auch recherchieren viele Tierbesitzer im Internet. Nach ihrer Ansicht beeinflussen vor allem das richtige Futter und die Bewegung die Gesundheit ihres Hundes.

Infografik Umfrage Hundegesundheit
Infografik Hundegesundheit

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