“Ich wollte schon immer beruflich mit Tieren arbeiten”


Johanna Engemann hat hoch im Norden ihre Passion gefunden – die Tierphysiotherapie. Sie hilft schwerpunktmäßig Hunden wieder fit zu werden.

Johanna Engemann mit Hund im Arm

Du arbeitest mittlerweile schon 2 Jahre selbstständig als Tierphysiotherapeutin. Wie ist dein Werdegang?

Johanna Engemann: Ich wollte schon immer was mit Tieren machen. Nach dem Abitur, habe ich überlegt Tiermedizin zu studieren, das hat aber aus verschiedenen Gründen nicht geklappt. Heute bin ich froh darüber. Denn als mein Freund und ich vor einigen Jahren nach Schleswig Holstein gezogen sind, habe ich das als beruflichen Neuanfang genutzt und mich dazu entschieden, Tierphysiotherapie zu studieren. Die Entscheidung ist damals zwischen Tierheilpraxis und Tierphysiotherapie gefallen. Letztlich für die Physiotherapie, weil ich damit selbst schon sehr gute Erfahrungen gemacht habe. 2014 hatte ich einen Kreuzbandriss mit Meniskusschaden, dank der Physiotherapie konnte ich schon nach 3, 4 Anwendungen eine deutliche Besserung feststellen. Ich habe damals nicht geglaubt, dass so etwas mit Physiotherapie möglich ist.

Warum hast du dich beruflich speziell auf Tiere fokussiert und sie den Menschen vorgezogen?

Johanna Engemann: Ich wollte schon immer ein Beruf mit Tieren machen. Schon als ich mein erstes eigenes Haustier, damals eine Katze, bekommen habe und diese gelegentlich mal krank wurde, entstand die Begeisterung, Tieren bei Krankheit und Verletzungen helfen zu wollen. Durch, oft auch freiwillige, Praktika schon während der Schulzeit in diesem Bereich wurde der Wunsch gefestigt.

Du bist spezialisiert auf Hunde. Warum? Sind auch noch andere Tiere dabei?

Johanna Engemann: Der Schwerpunkt liegt auf den Hunden. Ich bin mittlerweile auch ein totaler Hundemensch. Andere Tiere wie Katzen behandle ich aber auch ab und zu. Zugegebenermaßen ist es jedoch meist einfacher, mit Hund in der Physiotherapie zu arbeiten, weil sie oft kooperativer sind. Die Physiotherapie ist auch noch nicht so weit bei Katzen wie bei Hunden. Bei Katzen ist Physiotherapie als Behandlungsmethode noch nicht so Gang und Gäbe. Bei Hunden, die ja auch oft im Sport oder zum Erfüllen von Aufgaben gebraucht werden, ist das schon wesentlich mehr.

Mit welchen Beschwerden kommen die tierischen Patienten meist zu dir?

Johanna Engemann: Das ist ganz unterschiedlich. Ich habe einige Althunde bei mir in der Praxis, die kommen dann oft mit Arthrose oder anderen geriatrischen Erkrankungen. Viele Hunde betreue ich auch Post-OP, also nach der Operation sind sie dann quasi in Reha bei mir. Häufig handelt es sich dabei um Patienten mit Kreuzbandriss. Aber auch mit Bandscheibenvorfällen, Hüftgelenksdysplasie, Ellbogendysplasie, Spondylose oder einfach Hunde, die Blockaden oder Verspannungen haben.

Stellst du auch Diagnosen auf?

Johanna Engemann: Das ist auch unterschiedlich. Nach einer OP kommen die Hunde natürlich schon mit einem bestimmten Krankheitsbild zu mir. Manchmal hat auch der Halter bei Verdacht schon ein Röntgenbild beim Tierarzt angefordert, der dann eine Diagnose gestellt hat. Doch auch wenn der Tierarzt nichts findet, kommen die Halter zu mir, wenn sie meinen, dass sich ihr Hund anders als sonst verhält. Dann versuche ich herauszufinden, was der Hund hat. Auch allgemeine Gesundheitschecks sind immer gefragter.

Du arbeitest sehr häufig mit dem Unterwasserlaufband. Gegen was hilft das?

Johanna Engemann: Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um ein Laufband unter Wasser, so macht der Hund quasi Wassertreten. Das Training ist besonders geeignet zum schonenden Muskelaufbau, der Gangschulung oder auch der Gewichtsreduktion. Dementsprechend setze ich das Unterwasserlaufband häufig bei Hunden ein, die nach einer OP oder einer Schonphase Muskulatur verloren haben. Es gibt aber noch viele weitere Einsatzgebiete. Ganz tolle Arbeit leistet das Unterwasserlaufband auch bei neurologischen Erkrankungen. Da dem Hund unter Wasser sein Eigengewicht genommen wird.

Wie lange sind die Tiere in der Regel bei dir in Therapie?

Johanna Engemann: Die Patienten, die nach einer OP zu mir kommen, sind ca. 10 bis 12 Wochen bei mir in Therapie. Die älteren Hunde sind oft regelmäßig bis zu ihrem Lebensende immer mal wieder da.

Arbeitest du auch mit Tierärzten zusammen? Bzw. werden die Tiere auch medizinisch bei dir betreut?

Johanna Engemann: Mit einer Tierärztin arbeite ich enger zusammen, wir tauschen uns auch über gemeinsame Patienten aus. Sie ist damals sogar auch auf mich zugekommen. Das ist aber eher eine Ausnahme. Generell lässt sich sagen, dass viele Tierärzte mit der Tierphysiotherapie noch etwas hadern und sie belächeln. Trotzdem kann man auch ein Umdenken feststellen, denn die Physiotherapie ist schließlich aus der humanen Medizin schon gut anerkannt. Tierphysiotherapie ist aber weitaus mehr als nur das Unterwasserlaufband…

Dieses „Mehr“ erweitert sich ständig, denn du besuchst regelmäßig Fortbildungen. Jetzt bietest du auch Lasertherapie an. Was ist das genau?

Johanna Engemann: Die Lasertherapie arbeitet mit veterinärmedizinischem Laserlicht, das ist Licht in einer definierten Wellenlänge und in bestimmten Frequenzen. Dieses Licht ist nicht invasiv und komplett schmerzfrei für den Hund. Deswegen ist die Akzeptanz der Vierbeiner auch so groß. Das Licht dringt tief in das Gewebe ein und sorgt für eine positive Wirkung auf die Zellen. Das ist schmerzlindernd und wirkt abschwellend. Ich setze die Lasertherapie oft ein bei der Wundheilung bei Narbenbildung meiner Patienten.

Nebenbei engagierst du dich noch ehrenamtlich für den Tierschutz. Was machst du da?

Johanna Engemann: Seit dem Abitur engagiere ich mich vermehrt für den Tierschutz. Aktuell unterstütze ich den Verein StreunerHerzen e.V., dort bin ich als Vermittlerin und als Pflegestelle aktiv. Schwerpunktmäßig arbeiten wir auf Sardinien. In meiner Vermittlertätigkeit übernehme ich die komplette Vermittlung der Tiere und bin die erste Ansprechpartnerin für Interessenten. Wenn es zu einer Vermittlung kommt, organisieren wir auch die Einreise für das Tier. Zudem haben wir selber öfter Hunde, die bereits aus Sardinien gekommen sind, bei uns. Die betreuen wir dann, bis sie ein eigenes schönes Zuhause gefunden haben.

Du hast auch 2 eigene Hunde. Sind die beim Besuch von den Pflegehunden oder Treffen mit den tierischen Patienten von dir mit dabei?

Johanna Engemann: Die beiden kommen selber aus dem Tierschutz und sind ehemalige Pflegehunde von mir. Da habe ich als Vermittlerin damals wohl versagt (lacht).

Mit den Praxishunden kommen sie nur wenig in Kontakt, da unser Wohnhaus und meine Praxis nebeneinander liegen und somit nicht die Notwendigkeit besteht, sie mitzunehmen. Das ist einfach was stressfreier für alle.

Du bist auch ausgebildete Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen mit dem Schwerpunkt B.A.R.F. Ist Barfen deiner Meinung nach die beste Ernährungsmethode für Haustiere? Worauf legst du Wert?

Johanna Engemann: Die Ausbildung zur Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen habe ich schon lange vor dem Studium der Tierphysiotherapie gemacht. Passt aber auch gut dazu. Meine eigenen Hunde barfe ich seit 6 Jahren. Aufmerksam geworden auf B.A.R.F. wurde ich damals durch einen Pflegehund, deren neue Besitzer den Hund barfen wollten. Später habe ich dann die Ausbildung zur Ernährungsberaterin angefangen, weil ich es richtig machen wollte. Seit dem gehört Barfen und die Ernährungsberatung mit zu meinem Leistungsspektrum. Für mich persönlich und meine Hunde ist Barfen die artgerechteste Ernährungsmethode, die viele Vorteile hat. Ich ernähre mich auch nicht jeden Tag von der gleichen Tütensuppe. Abwechslung tut auch meinen Hunden gut. Außerdem kommen nur frische Zutaten ohne Geschmacks- und Konservierungsstoffe in den Napf, und ich weiß genau, was in dem Futter drin ist, weil ich es ja selber zubereite.

Tierphysiotherapie Johanna Engemann
Am Heideteich 21
24811 Owschlag
info@tierphysiotherapie-sh.com

www.tierphysiotherapie-sh.com

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