Gentest für Hunde – Was verrät die DNA?


Das Rassenwirrwarr bei Mischlingshunden zu entwirren versprechen seit ein paar Jahren verschiedene DNA-Tests. Doch halten die teuren Tests, die immer öfter im Internet angeboten werden, was sie vorgeben? Was sind die Vorteile und Nachteile der Gentests? Erfahre hier mehr über die DNA deiner Fellnase.

3 Hunde unterschiedlicher Rassen sitzen im Gras

Gentest für Hunde – Gründe

Wie schön ist es, wenn immer mehr Menschen Hunde aus dem Tierschutz oder aus Tierheimen bei sich auf nehmen. Meist sind diese Fellnasen ein bunter Mix aus mehreren verschiedenen Rassen wie Labrador, Husky, Schäferhund. Das schürt bei vielen Haltern die Neugierde – Was für Rassen stecken in meinem Vierbeiner? Hat er so einen großen Jagdtrieb, weil er von Jagdhunden abstammt? Oder will er kein Stöckchen holen, weil das in seinen Genen liegt? Die Antwort auf diese und ähnliche Fragen bilden wohl den Hauptgrund für viele Halter, bei ihrem Hund einen Gentest durchführen zu lassen. In genauen Prozentzahlen soll der nämlich schwarz auf weiß voraussagen, von welchen Rassen unser Liebling abstammt. Besonders vorausschauende Menschen entscheiden sich für einen DNA-Test prophylaktisch, im Vorfeld einer Adoption – um später keine bösen Überraschungen zu erleben und den Bedürfnissen ihres künftigen Hundes auch gerecht zu werden. 

Der Wunsch nach einem Gentest kann aber auch ganz andere Gründe haben. Eine DNA-Analyse machen auch oft Halter, die befürchten, einen Mischling aus einem sogenannten Listenhund zu haben. Die Rassen, denen der Gesetzgeber eine angeborene Aggressivität nachsagt, sollen im Gentest optimalerweise möglichst wenig in den Genen nachzuweisen sein. Denn ein solcher Bescheid kann als Folge behördliche Erleichterungen nach sich ziehen, wie etwa Befreiung von der Maulkorb- oder Leinenpflicht. Vor Gericht hat so ein Zertifikat aber keine Beweiskraft. Will jemand also einen Züchter verklagen, weil der DNA-Test keine Reinrassigkeit seines Hundes bestätigt hat, hat er keine guten Karten. Dafür müssten alle Anbieter der Tests auf die gleiche Datenbank zugreifen können.

Gentest für Hunde – Funktionsweise

Die Gentests funktionieren vergleichsweise einfach. Die meisten Labore arbeiten mit Speichelproben zur Ermittlung der Rassenzugehörigkeit der Hunde. Einmal bestellt muss man die mitgelieferten Wattetupfer nur noch durchs Maul der Fellnase ziehen. Trocknen lassen, einpacken und wieder weg schicken. Dann heißt es warten auf das Ergebnis des Labors.

Im Labor werden die entnommenen Speichelproben chemisch und physikalisch bearbeitet, um die DNA aus den Körperzellen herauszulösen. Der Probe werden sogenannten Primer Moleküle hinzugefügt, die an ausgewählten Teilen der DNA haften bleiben. Um eine analytisch messbare Menge zu erhalten, werden die durch die Primer markierten DNA-Abschnitte geklont, also ordentlich vervielfacht. Anschließend untersucht man die Proben nach verschiedenen Genmarkern, die verantwortlich für ein bestimmtes rassetypisches Merkmal sind. Dieses Verfahren wird Typisierung genannt. Beim Typisieren werden die Marker so weit voneinander abgegrenzt, bis die größtmögliche Übereinstimmung mit den in der Datenbank vorhandenen Markern erreicht wird. Hier zeigt sich bereits das größte Problem: Damit ein Rassetest im Labor 100%ig treffsicher sein könnte, müsste man alle 800 bekannten Rassen in der Datenbank haben. Zurzeit verfügen die meisten Labore jedoch nur über 235 bis 282 Rassen, darunter befinden sich aber auch die Varianten derselben Rassen, wie etwa Lang- und Kurzhaarig, Glatt- oder Rauhaar. Das ganze Verfahren basiert also lediglich auf einer Wahrscheinlichkeitsrechnung und ist desto präziser und zuverlässiger, je mehr Genmarker in der Datenbank vorhanden sind.

Gentest für Hunde – Kosten

Günstig sind die Tests nicht. Die Kosten variieren etwas von Anbieter zu Anbieter, auch abhängig davon, wie groß die verwendete Datenbank zum Abgleich ist. Sie pendeln sich jedoch ungefähr bei 100 bis 180 € pro Test ein. Wenn man ein DNA-Screening seines Hundes machen möchte, um über mögliche Erbkrankheiten im Vorhinein Bescheid zu wissen, muss man noch tiefer in die Tasche greifen. Die Kosten hierfür belaufen sich etwa auf 300 €.

Gentest für Hunde – Folgen

Das Problem ist, dass sowohl die Rasseanalysen als auch die genetische Krankheitsdiagnostik, das sogenannte DNA-Screening, bei Hunden wissenschaftlich nur auf dünnem Fundament steht. So gibt es Gene, die mutmaßlich in einem Zusammenhang mit Erkrankungen stehen könnten. Ob sie es jedoch wirklich tun, sei aber so gut wie nie ausreichend geprüft. Die von den Anbietern propagierten Fallstudien beziehen sich oftmals nur auf zu geringe Fallzahlen, als zuverlässige Ergebnisse daraus resultieren könnten. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Verkaufsinteressen der Anbieter bei der Interpretation der Daten im Vordergrund stehen und nicht die Tiergesundheit. Im Gegenteil, ein kranker Hund, der Spezialfutter und medizinische Behandlungen braucht, erhöht den Gewinn. So seien sogar Hunde in den USA aufgrund eines DNA-Tests frühzeitig eingeschläfert worden. Dagegen wirkt die mangelnde Genauigkeit der Ergebnisse als Kritikpunkt fast nur noch nebensächlich. Letztlich muss aber jeder Hundehalter selbst entscheiden, ob er seinen Hund lieber hat bei einem 25%igen oder bei einem 26%igen Anteil Jack Russell im Erbgut.

Was ist deine Meinung zu Gentests bei Hunden? Erzähle uns gerne von deinen Erfahrungen hier in einem Kommentar.

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